Apollo 11: Die komplette Mission in Echtzeit-3D
20. Juli 1969
Erlebe die Apollo 11-Mission vom 20. Juli 1969: Folge der echten Flugbahn des Raumschiffs von der Erde zum Mond und zurück, in einer 3D-Echtzeit-Rekonstruktion.
Es ist 16. Juli 1969.
Auf Startrampe LC-39A im Kennedy Space Center steht die Saturn V der NASA kurz vor dem Start.
Ihr Ziel: zwei Raumschiffe zum Mond schicken, Columbia und Eagle, zusammen 45 Tonnen.
Apollo 11 soll die erste Mission der Geschichte sein, die dort landet.
An der Spitze der Rakete, im Kommandomodul von Columbia, drei Astronauten:
Neil Armstrong, Michael Collins und Buzz Aldrin.
Sie wollen das Versprechen einlösen, das Präsident Kennedy acht Jahre zuvor gab.
Einen Menschen auf dem Mond landen und sicher zurückbringen, noch vor Ende des Jahrzehnts.
Die fünf F-1-Triebwerke von Rocketdyne reißen die 111 Meter der Saturn V vom Boden.
Fast 34 Meganewton Schub: die stärkste Rakete ihrer Zeit.
Die erste Stufe, die S-IC, schluckt fast 13 Tonnen Kerosin und flüssigen Sauerstoff pro Sekunde.
Niemand steuert: Der Leitrechner lenkt die Rakete, die Crew überwacht.
Er löst auch jede Trennung aus, sobald seine Sensoren einen leeren Tank melden.
Je leichter sie wird, desto stärker beschleunigt sie: bis fast 4 G für die Crew.
Nach 2 Minuten 40 verstummen die F-1: Die S-IC fällt ab, die zweite Stufe übernimmt.
Per Schalter wirft die Crew den nutzlos gewordenen Rettungsturm ab.
Die zweite Stufe, S-II: fünf J-2-Triebwerke, mit flüssigem Wasserstoff bei -253 °C.
Die dritte Stufe, die S-IVB, zündet: ein einziges J-2-Triebwerk, wiederzündbar.
Eine der gefährlichsten Etappen der Mission ist geschafft.
Das Raumschiff schwenkt für zweieinhalb Stunden in eine Parkbahn ein.
Für anderthalb Erdumrundungen sind die Astronauten schwerelos.
Nach den Berechnungen der Missionskontrolle in Houston zündet die Rakete erneut.
Sechs Minuten lang, von 28.000 auf 39.000 km/h, lasten bis zu 1,5 G auf ihnen.
Collins legt einen Schalter um: Sprengladungen zerteilen den Adapter in vier Teile.
Columbia löst sich, die Paneele öffnen sich wie Blütenblätter: Darin sitzt Eagle.
Collins setzt zurück und wendet. Den Anflug steuert er selbst, von Hand.
Er zielt durch ein Visier an seinem Fenster, ausgerichtet auf ein Kreuz an Eagle.
Kontakt: Columbia ist Nase an Nase an Eagle angedockt.
Noch ein Schalter: Eagle wird freigegeben, Collins zieht es aus der dritten Stufe.
Columbia besteht aus zwei Modulen: dem Kommandomodul (CM) und dem Servicemodul (SM).
Das Raumschiff dreht sich um sich selbst, im „Grillmodus“: Die Sonne heizt nie lange dieselbe Seite.
Das CM, die Kapsel: 6 m³ für drei Männer, und das einzige Teil, das zurückkehrt.
Das SM, der Zylinder dahinter: das Haupttriebwerk, seine Tanks, der Sauerstoff.
Seine Brennstoffzellen liefern den Strom und das Wasser, das die Crew trinkt.
Drei Tage Reise, fast 400.000 Kilometer bis zum Mond.
Der Schub schickt sie nicht direkt zum Mond: Er dehnt ihre Umlaufbahn um die Erde.
Ohne den Mond würde das Schiff steigen, langsamer werden und zur Erde zurückfallen.
Doch man zielte dorthin, wo der Mond bei ihrer Ankunft sein würde, um ihn zu kreuzen.
Eagle, die Mondlandefähre (LM), hat zwei Stufen: eine zum Landen, eine zum Wiederaufstieg.
Nur für das Vakuum gebaut, ist seine Hülle stellenweise 0,3 mm dünn.
Das Schiff wird die ganze Strecke langsamer, bis die Schwerkraft des Mondes überwiegt.
Ohne Bremsmanöver würde es den Mond umrunden und von selbst zur Erde zurückkehren.
Das ist die „freie Rückkehr“: eine Versicherung, falls das Triebwerk ausfiele.
Bremsen, um in die Umlaufbahn einzuschwenken: Die Zündung erfolgt hinter dem Mond, ohne Funk.
Houston hat sie berechnet, Columbias Computer führt sie aus: Niemand kann helfen.
Nur die Crews von Apollo 8 und 10 waren zuvor schon so weit gekommen.
Am nächsten Tag steigen Armstrong und Aldrin in Eagle um.
„Der Adler hat Flügel“, meldet Armstrong. Collins bleibt allein an Bord von Columbia.
Eagle dreht sich einmal um sich selbst: Von Columbia aus prüft Collins das Landegestell.
Armstrong und Aldrin behalten ihre Raumanzüge an: Sie schützen sie, falls die Kabine leckt.
Eagle hat keine Sitze: Die beiden fliegen im Stehen, von Gurten gehalten.
Collins entfernt sich mit einem kurzen Schub: Eagle zündet sein Triebwerk erst mit Abstand.
Eine Dreiviertelstunde später, 4 km von Columbia entfernt, dreht sich Eagle, Triebwerk voraus.
Hinter dem Mond, ohne Funkkontakt, bremst Eagle: 30 Sekunden Triebwerk.
In einer Stunde gleitet Eagle auf 15 km Höhe hinab, wo der Abstieg beginnen wird.
Im Mai war Apollo 10 genau bis hierher gekommen.
Eagle rollt auf den Kopf: Seine Fenster blicken jetzt auf den Mondboden.
Angetriebener Abstieg: Eagle bremst auf der Seite liegend, die Fenster zum Boden.
Zwölf Minuten, um aus 15 km Höhe und 6.000 km/h zum Stillstand auf dem Mond zu kommen.
Der Pilot ist Eagles Computer: Armstrong und Aldrin überwachen ihn, bereit zum Abbruch.
Eagle dreht sich, Fenster zum Himmel: Sein Radar muss den Boden sehen, um die Höhe zu messen.
Alarm 1202. An Bord weiß niemand, was er bedeutet: Armstrong fragt Houston.
Ein eingeschaltetes Radar überlastet den Computer; er startet neu und behält nur das Nötigste.
Abbrechen? Steve Bales, 26, zuständig für die Lenkung, entscheidet: weitermachen.
Sein Mitarbeiter Jack Garman hatte nach einer missglückten Simulation jeden Alarmcode notiert.
Eagle richtet sich auf: Armstrong sieht endlich den Landeplatz. Er ist voller Felsbrocken.
Armstrong übernimmt von Hand und überfliegt die Felsen, auf der Suche nach einer ebenen Stelle.
„Sechzig Sekunden“: noch eine Minute Treibstoff, dann müssen sie abbrechen.
„Houston, hier Basis Ruhe. Der Adler ist gelandet.“
Houston: „Hier liefen ein paar Leute schon blau an. Wir atmen wieder.“
Erste Aufgabe: alles für einen Notstart vorbereiten, falls Eagle beschädigt ist.
Vier Stunden Schlaf waren geplant: Sie machen sich lieber für den Ausstieg bereit.
Oben zieht Collins alle zwei Stunden hinter dem Mond vorbei, allein und ohne Funk.
Armstrong, 38, ehemaliger Testpilot, betritt als Erster den Mond.
„Das ist ein kleiner Schritt für einen Menschen, ein riesiger Sprung für die Menschheit.“
Neunzehn Minuten später folgt ihm Aldrin: „Großartige Trostlosigkeit.“
An einem Bein von Eagle eine Plakette: „Wir kamen in Frieden für die ganze Menschheit.“
Sie stellen die Flagge auf. Der Boden ist so hart, dass der Mast kaum eindringt.
Aus dem Weißen Haus spricht Präsident Nixon am Telefon mit ihnen.
Sie stellen einen Laserreflektor auf: Mit ihm misst man bis heute den Abstand Erde-Mond.
Sie sammeln 21,5 kg Mondgestein und -staub, die mit ihnen zurückkehren werden.
Vor dem Start werfen sie Rucksäcke und Stiefel hinaus: Jedes Kilo zählt.
Für den Fall, dass sie auf dem Mond festsitzen, lag eine Rede bereit.
Die Aufstiegsstufe hebt ab. Die Abstiegsstufe und ihre Plakette bleiben auf dem Mond.
Aldrin schrieb seine Doktorarbeit über das Rendezvous im Orbit. Hier ist es echt.
Eagle koppelt an Columbia an. Armstrong und Aldrin sind wieder bei Collins.
Eagles Aufstiegsstufe wird abgetrennt: Ihre Arbeit ist getan.
Wo und wann sie auf dem Mond aufschlug, weiß niemand: Keiner hat sie verfolgt.
Nach 30 Umläufen in zweieinhalb Tagen ist es Zeit für die Heimkehr.
Hinter dem Mond, ohne Funk, zündet Columbias Triebwerk: Kurs auf die Erde.
Wäre diese Zündung missglückt, wären sie für immer im Mondorbit geblieben.
Das Raumschiff dreht sich für den Rückflug wieder im „Grillmodus“.
Apollo, das sind 400.000 Menschen und 25 Milliarden Dollar von damals.
Zweieinhalb Tage Rückflug: Die Erde wird vor ihnen immer größer.
Auf dem Höhepunkt machte die NASA über 4 % des US-Bundeshaushalts aus.
Am letzten Abend danken sie im Fernsehen allen, die diesen Flug möglich gemacht haben.
Columbia trennt ihr Servicemodul ab: Nur die Kapsel kehrt zur Erde zurück.
Sie dreht den Hitzeschild nach vorn. Er muss fast 2.800 °C aushalten.
Der Winkel muss stimmen: zu steil, und die Kapsel verglüht; zu flach, und sie prallt ab.
40.000 km/h: Die Luft um die Kapsel glüht auf und schneidet jeden Funk ab.
Die Verzögerung presst sie in die Sitze: bis zum 6,5-Fachen ihres Gewichts.
Drei Fallschirme öffnen sich: Die Kapsel sinkt mit 35 km/h zum Pazifik.
Wasserung im Pazifik, nach acht Tagen Mission.
Aus Angst vor Mondmikroben kommen sie drei Wochen in Quarantäne.
Das Versprechen von 1961 ist eingelöst, fünf Monate vor Ende des Jahrzehnts.
Zehn weitere Astronauten werden bis Dezember 1972 den Mond betreten.