Artemis IV: Die komplette Mission in Echtzeit-3D
20. September 2028
Erlebe die Artemis IV-Mission vom 20. September 2028: Folge der echten Flugbahn des Raumschiffs von der Erde zum Mond und zurück, in einer 3D-Echtzeit-Rekonstruktion.
Es ist 5. September 2028.
Starbase im Süden von Texas. Auf der Rampe steht die größte je gebaute Rakete.
Hunderteinundzwanzig Meter: Starship und Super Heavy überragen die Saturn V.
Obenauf ein Starship eigener Art: ein Mondlander, der nicht zurückkehren wird.
Er startet leer. Die Besatzung nimmt einen anderen Weg, in einer Orion-Kapsel.
Die vier Astronauten starteten in Florida, auf einer SLS-Rakete.
Zwei von ihnen werden zum Mond hinabsteigen, die beiden anderen warten im Orbit.
Diese Mission bringt die erste Frau und die erste Person of Color zum Mond.
Artemis ist das Programm, das Menschen fünfzig Jahre nach Apollo zum Mond zurückbringt.
November 2022: Artemis I schickt eine leere Orion-Kapsel um den Mond.
Sie kommt 432 000 km von der Erde weg, weiter als je ein bemannbares Schiff zuvor.
Artemis II brachte vier Astronauten um den Mond, ohne zu landen.
Die Landung selbst rutschte von Mission zu Mission. Sie fällt Artemis IV zu.
Apollo landete nahe dem Äquator. Diesmal ist das Ziel der Südpol.
In seinen Kratern war die Sonne nie, und dort ist Wassereis eingeschlossen.
Abheben. Die dreiunddreißig Raptor des Super Heavy reißen die Rakete von der Rampe.
Die Flamme ist blau: Die Raptor verbrennen Methan, das kaum Ruß hinterlässt.
Siebentausend Tonnen Schub, doppelt so viel wie Apollos Saturn V.
Sie neigt sich schon nach Osten: Was zählt, ist Geschwindigkeit, nicht Höhe.
Hier setzt ihr die Luft den größten Widerstand entgegen.
Methan ist ein Treibstoff, den man eines Tages auf dem Mars herstellen könnte.
Hot Staging: Das Schiff zündet die Triebwerke, bevor der Booster loslässt.
So etwas war nie geflogen: Die obere Stufe zündet in der Flamme der unteren.
Das Schiff übernimmt, in sechzig Kilometern Höhe.
Triebwerksabschaltung. Das Schiff geht in eine Parkbahn in 150 km Höhe.
Er hat nicht genug Treibstoff für den Mond. Erst muss er aufgefüllt werden.
Translunare Injektion: Die Triebwerke zünden erneut, das Schiff verlässt die Erde.
Niemand an Bord. Dieses Schiff fliegt leer, und das ist so geplant.
Er ist so groß, weil er mitbringt, was zum Landen und Wiederstarten nötig ist.
Vor dem Aufbruch haben andere Starships ihn im Erdorbit betankt.
Starship ist auf Wiederverwendung ausgelegt. Dieses nicht: Es sieht die Erde nie wieder.
Dreihundertachtzigtausend Kilometer trennen die Erde vom Mond.
Der Mond ist die Generalprobe für den Mars: landen, dort leben, wieder starten.
Und an seinem Südpol gibt es Wasser: zum Trinken, zum Atmen, für Treibstoff.
Einschuss in eine Halo-Bahn, eine langgezogene Schleife über den Polen.
Sie steigt bis 70 000 km über den Südpol.
Orion wartet hier seit Tagen. Die beiden Schiffe koppeln an.
Nie zuvor wechselte eine Besatzung so weit von der Erde das Schiff.
Zwei Astronauten gehen durch die Luke hinüber in den Lander.
Die beiden anderen bleiben in Orion, dem einzigen Schiff, das sie heimbringt.
Apollo machte es genauso: Zwei stiegen hinab, ein Dritter kreiste darüber.
Das Warten dauert hier sechs Tage, und Orion schafft fast eine Umrundung.
Diese Bahn zu halten kostet fast nichts: Das Schiff bleibt dort im Gleichgewicht.
Sie hält die Erde ständig in Sicht, darum reißt der Funk nie ab.
An Bord des Landers: Wasser, Luft und Vorräte für eine Woche am Boden.
Abkoppeln. Der Lander löst sich und lässt Orion auf seiner Bahn zurück.
Er sinkt zum Südpol hinab, wo noch nie eine Besatzung gelandet ist.
Von hier an gibt es nur ein Fahrzeug, das sie zu Orion zurückbringt.
Darunter ein Kraterfeld, das die Sonne nur streifend beleuchtet.
Der Abstieg dauert Stunden, Bremsen Stück für Stück gegen den Mond.
Angetriebener Abstieg. Die Triebwerke zünden, um die Bahngeschwindigkeit abzubauen.
Hier gibt es keine Luft. Kein Fallschirm, kein Flügel: alles geht über Triebwerke.
Der Ort wurde für sein fast ständiges Licht gewählt, und den Schatten daneben.
Am Pol sind die Schatten lang und das Gelände schwer zu lesen. Landen ist schwerer.
Die vier Beine klappen unter dem Rumpf aus.
Jedes trägt einen breiten Teller, damit es nicht im Staub einsinkt.
Der Schatten des Schiffes zieht sich lang: Hier bleibt die Sonne am Horizont.
Apollo landete von Hand. Hier setzt der Computer das Schiff ab.
Ein paar hundert Meter über dem Boden gehen die großen Triebwerke aus.
Ihr Strahl würde den Boden aufgraben und Steine gegen den Rumpf werfen.
Fünfzehn kleine Triebwerke übernehmen, hoch an der Flanke sitzend.
Sie setzen das Schiff ab, ohne ringsum etwas aufzuwirbeln.
Die letzten Meter gehen blind, im Staub, den nichts am Boden hält.
Kontakt. Die erste bemannte Mondlandung seit Apollo 17, im Dezember 1972.
Sechsundfünfzig Jahre später. Und zum ersten Mal am Südpol.
Ein Aufzug fährt am Rumpf hinab: gut dreißig Meter bis zum Boden.
Sie setzen den Fuß auf den Mond und stecken die Flagge auf.
Hier geht die Sonne nicht unter: Sie kreist um sie, knapp über den Graten.
Wenige Kilometer entfernt, im ewigen Schatten, sind es minus zweihundert Grad.
Sie bringen Proben mit hinauf: Gestein und Staub vom Grund der Krater.
Was in diesem Eis steckt, erzählt, woher das Wasser des Sonnensystems kam.
Ihre Anzüge sind neu, beweglicher als die von Apollo und für die Kälte gebaut.
Der Aufzug bringt sie wieder hinauf, dieselbe Fahrt, nur andersherum.
Die Flagge bleibt zurück, wie die sechs, die Apollo zuvor ließ.
Armstrong und Aldrin blieben nur einen Tag. Hier dauert es sechs.
Abheben. Die Triebwerke heben das Schiff vom Mondboden.
Die Beine klappen im Steigflug an den Rumpf zurück.
Die großen Triebwerke übernehmen zwei Rumpflängen höher.
Viel hält ihn hier nicht: Die Mondschwerkraft ist ein Sechstel unserer.
Er steigt zurück zur Halo-Bahn, wo Orion seit sechs Tagen kreist.
Kein Turm, keine Bodenmannschaft: Das Schiff startet aus dem Staub, in dem es landete.
Und nur ein Versuch. Hebt es nicht ab, kann niemand sie holen.
Ankopplung. Die Besatzung ist wieder vollzählig an Bord von Orion.
Die Proben kommen mit hinüber, Kiste für Kiste.
Zwei von ihnen gingen auf dem Mond. Alle vier fliegen zusammen heim.
Orion löst sich vom Lander, dessen Arbeit getan ist.
Er kehrt nicht zurück. Er wird auf eine Sonnenbahn geschickt, abseits von allem.
Transerdinjektion: Orions Triebwerk zündet, Kurs auf die Erde.
Das Servicemodul ist europäisch. Es liefert den Schub und den Strom.
Hier zählt nur eine Zündung. Versagt sie, kehrt niemand heim.
Auf diese Entfernung braucht ein Befehl von der Erde über eine Sekunde.
Die Heimreise beginnt. Der Mond entfernt sich hinter ihnen.
Sie verstauen die Proben, prüfen den Hitzeschild, üben den Wiedereintritt.
Die Erde ist noch nur ein heller Punkt vor der Kapsel.
Acht Tage lang nichts zu steuern: Die Bahn erledigt die Arbeit.
Der Hitzeschild misst fünf Meter. Er ist es, der sie heimbringt.
Er schützt, indem er verbrennt, und geht beim Abstieg nach und nach weg.
Das Servicemodul wird abgeworfen. Die Kapsel dreht sich, Hitzeschild voran.
Sie trifft die Atmosphäre mit fast 40 000 km/h, vom Mond kommend.
Die Luft vor ihr entzündet sich und hüllt sie in eine Plasmahülle.
Der Funk verstummt dabei. Man kann nur warten.
Die Fallschirme öffnen nacheinander, elf Schirme insgesamt.
Wasserung im Pazifik.
Menschen sind wieder auf dem Mond gegangen, sechsundfünfzig Jahre danach.
Sie bringen Eis mit, von dort, wo die Sonne nie hinkam.
Ein Monat Reise, sechs Tage am Südpol, vier Menschen zurück.
Apollo bewies, dass man hinkommt. Artemis versucht zu bleiben.