SpaceX Crew-9: Die komplette Mission in Echtzeit-3D
29. September 2024
Erlebe die SpaceX Crew-9-Mission vom 29. September 2024: Folge der echten Flugbahn der Dragon-Kapsel zur ISS und Monate später zurück zur Erde bis zur Wasserung, in einer 3D-Echtzeit-Rekonstruktion.
Es ist 28. September 2024.
Sie begleiten eine Kapsel, Freedom, von dieser Startrampe bis zu ihrer Rückkehr ins Meer.
Cape Canaveral, Florida. Freedom wartet an der Spitze dieser Falcon 9 auf ihren vierten Flug.
Die erste Crew, die von dieser Rampe startet: SpaceX hat ihr einen Zugangsturm gebaut.
Am Steuer sitzt der Amerikaner Nick Hague, 49, von der NASA.
Neben ihm der russische Kosmonaut Aleksandr Gorbunov, 34, auf seinem ersten Flug.
Freedom hat vier Sitze. Die zwei leeren bringen zwei Astronauten zurück, die schon oben sind.
Start! Die neun Triebwerke der Falcon 9 heben über 500 Tonnen.
Kurs Nordost, entlang der US-Küste: die Richtung der Bahn der Station.
Versagte die Rakete, würde sich Freedom allein losreißen, mit acht SuperDraco-Triebwerken.
Max-Q: Die Luft bremst die Rakete so stark wie nie. Die Triebwerke drosseln leicht.
Die erste Stufe hat ihre Tanks mit Kerosin und flüssigem Sauerstoff fast geleert.
Die erste Stufe erlischt und löst sich. Die zweite, mit nur einem Triebwerk, übernimmt.
Sie beschleunigt Freedom auf 28.000 km/h, das Tempo, das sie im Orbit halten wird.
Brennschluss: Freedom ist im Orbit, in rund 200 Kilometern Höhe.
Trennung: Freedom fliegt allein.
Die Nasenkappe öffnet sich über dem Andocksystem, das sie beim Aufstieg schützte.
Mit diesem Ring wird Freedom morgen an der Station andocken.
Zeitraffer: Jede Sekunde auf dem Bildschirm entspricht acht Minuten Flug.
Tiefer als die Station kreist Freedom schneller: In 28 Stunden holt sie sie ein.
Eine Erdumrundung alle 90 Minuten: sechzehn Sonnenaufgänge pro Tag.
Im Juni flogen Butch Wilmore und Suni Williams mit Boeings Starliner zur Station.
Es war der erste bemannte Flug dieses Raumschiffs. Ihre Mission sollte eine Woche dauern.
Doch beim Anflug auf die Station hatte Starliner Heliumlecks und ausgefallene Triebwerke.
Die NASA hielt einen Rückflug mit ihnen für zu riskant: Starliner kam Anfang September leer zurück.
Die beiden leeren Sitze von Freedom gehören ihnen.
Dafür gaben Zena Cardman und Stephanie Wilson ihre Plätze bei Crew-9 ab.
Nick Hague kennt das Unerwartete: 2018 versagte seine Sojus-Rakete mitten im Aufstieg.
Seine Kapsel riss sich los und brachte ihn heil zurück. Fünf Monate später flog er wieder.
Aleksandr Gorbunov war Ingenieur bei Energia, für die russischen Progress-Frachter.
Auf der Station wartet Crew-8: vier Astronauten, im März gekommen, die im Oktober heimkehren.
Denn jede Crew fliegt in ihrer eigenen Kapsel hin und zurück.
Sie bleibt den ganzen Aufenthalt angedockt: ihr Rettungsboot für den Notfall.
Wer zahlt? Die NASA kauft diesen Flug bei SpaceX zum Festpreis. Freedom gehört SpaceX.
Der Vertrag: 4,9 Milliarden Dollar für vierzehn Crew-Wechsel.
2019 schätzte eine NASA-Prüfung den Preis eines Sitzes auf 55 Millionen Dollar.
Gleiche Regel für Boeing: Die Probleme mit Starliner kosteten es rund 2 Milliarden.
Gorbunovs Platz kostet nichts: Im Gegenzug fliegt ein Amerikaner mit Sojus.
Letzte Stunde. Freedom nähert sich von hinten und unten, aus rund zwanzig Kilometern.
Die kleinen weißen Strahlen sind die Draco: sechzehn 400-Newton-Triebwerke, über die Kapsel verteilt.
Jeder Strahl schiebt Freedom in die Gegenrichtung. Diese hier beschleunigen sie.
Jetzt bremsen die nach vorn gerichteten Düsen Freedom, damit sie die Station nicht überholt.
Beide rasen mit 28.000 km/h: Nur der Abstand zwischen ihnen schmilzt langsam.
Die Sonne geht über der Station auf, die bis eben im Erdschatten lag.
Freedom erreicht die Annäherungszone, eine 4 km lange Blase um die Station.
Der Bordcomputer fliegt. Hague und Gorbunov überwachen, bereit, alles abzubrechen.
Houston gibt grünes Licht: Freedom dringt in die 200-Meter-Sicherheitssphäre ein.
Freedom fliegt unter der Station hindurch, unter ihren Modulen und Sonnensegeln.
Sie überholt sie von unten, um vor ihr in Position zu gehen.
Die unteren Düsen heben sie vor der Station an. Die oberen bremsen den Aufstieg.
Freedom dreht sich um die eigene Achse, die offene Nase zum Andockport.
Zum Drehen ohne Versatz feuern zwei gegenüberliegende Düsen gleichzeitig, eine auf jeder Seite.
Endanflug. Die schrägen Düsen schieben Freedom geradlinig zum Port.
Dann schweigen sie: Freedom gleitet mit Schwung weiter.
Die vorderen Düsen bremsen. Freedom kommt mit wenigen Zentimetern pro Sekunde an.
Den Port genau in der Achse treffen: Der Computer korrigiert zentimetergenau.
Kontakt! Freedom dockt am vorderen Port der Station an.
Zwölf Haken schließen sich: Kapsel und Station sind nun eins.
Noch anderthalb Stunden Kontrollen, bevor die Luke aufgeht.
Hague und Gorbunov stoßen zu neun Menschen, darunter Butch Wilmore und Suni Williams.
Heute zieht Freedom um. Harmony hat zwei Ports für Dragon: vorn und oben.
Der obere wurde Ende Oktober frei, als Crew-8 mit ihrer Kapsel abflog.
Der vordere ist für einen Dragon-Frachter, der in zwei Tagen kommt.
Abdocken. Die vorderen Düsen feuern zur Station hin und schieben Freedom zurück.
An Bord, in Raumanzügen, die vier Reisenden von Freedom: Hague, Gorbunov, Wilmore und Williams.
Andere Düsen bremsen den Rückzug. Freedom kommt 60 Meter vor der Station zum Stehen.
Umrundung: eine Vierteldrehung um die Station, vom vorderen zum oberen Port.
Seitliche Düsen schieben sie den Bogen entlang, während andere sie drehen.
Ihre Nase bleibt die ganze Zeit zur Station gerichtet. Alles läuft automatisch.
Könnte Freedom nicht wieder andocken, brächte sie die Crew direkt zur Erde zurück.
Es ist der fünfte Umzug einer Dragon-Kapsel mit Crew an Bord.
Freedom ist über dem Port ausgerichtet. Die Crew gibt grünes Licht für den Abstieg.
Die schrägen Düsen schieben sie zum Port und verstummen: Sie sinkt aus eigenem Schwung.
Suni Williams ist seit September Kommandantin der Station.
Von diesem Port wird Freedom im März zur Erde aufbrechen.
Die vorderen Düsen bremsen ein letztes Mal vor dem Kontakt.
Wieder angedockt, 43 Minuten nach dem Abflug. Vorn ist Platz für den Frachter.
Crew-9 fliegt heim, in der Kapsel, die sie gebracht hat: Freedom.
Die Ablösung, Crew-10, kam vor zwei Tagen mit ihrer eigenen Kapsel, Endurance.
Diesmal sind alle vier Sitze von Freedom belegt.
Butch Wilmore und Suni Williams kehren endlich heim, nach über neun Monaten statt einer Woche.
Abdocken. Ein Schub der vorderen Düsen hebt Freedom über die Station.
Zweiter Schub, mit den Seitendüsen: Freedom zieht vor und unter der Station vorbei.
Sie verlässt die 200-Meter-Sicherheitssphäre um die Station.
Hinter ihr übernimmt Crew-10 für sechs Monate.
Sonnenuntergang: Freedom entfernt sich in die Nacht.
Dort oben stellte Suni Williams den Frauenrekord für Weltraumausstiege auf: 62 Stunden.
Der Rückflug dauert fast siebzehn Stunden. Im Zeitraffer: eine Erdumrundung in drei Sekunden.
Zündungen passen die Bahn an, um zur richtigen Zeit über das Zielgebiet zu fliegen.
Ziel: das Meer vor Tallahassee, Florida.
Seit Juni haben Wilmore und Williams die Erde über 4.500 Mal umrundet.
Hague und Gorbunov hatten einen normalen Aufenthalt: fast sechs Monate.
NASA-Astronauten sind Staatsbedienstete und verdienen rund 150.000 Dollar im Jahr.
Nick Hague, Oberst der Space Force, wird weiter vom Militär bezahlt.
Dreizehn Minuten Zündung: Freedom verbrennt vor der Heimkehr überschüssigen Treibstoff.
Freedom taucht wieder in die Nacht, über dem Indischen Ozean.
Im All gibt es weder Gefahrenzulage noch Überstunden: Das Gehalt bleibt gleich.
Einziger Zuschlag: 5 Dollar Spesen pro Tag, wie für jeden Beamten auf Dienstreise.
Für ihre neun Monate bekamen Wilmore und Williams je 1.430 Dollar.
Kurs auf die Erde: Der Wiedereintritt ist in einer Dreiviertelstunde.
Freedom dreht sich, Nase nach oben, um ihren Trunk im Erdschatten abzuwerfen.
Der Trunk löst sich: Dieser Zylinder trägt die Solarpaneele und Radiatoren von Freedom.
Er kehrt nicht zurück: Er wird in der Atmosphäre verglühen.
Sonnenaufgang. Freedom dreht sich zum Bremsen.
Deorbit-Zündung: siebeneinhalb Minuten Bremsen mit den Draco.
Freedom verliert nur 190 km/h. Das genügt: Ihre Bahn taucht in die Atmosphäre.
Die Nasenkappe schließt sich über dem Andocksystem und schützt es vor der Hitze.
Zwanzig Minuten Fall, eine Vierteldrehung um die Erde, bevor sie auf Luft trifft.
Freedom dreht sich um: Der Hitzeschild zeigt nach vorn.
Wiedereintritt in die Atmosphäre, mit 27.000 km/h, über dem Pazifik.
Die verdichtete Luft vor dem Schild wird zu fast 2.000 °C heißem Plasma.
Das Plasma unterbricht den Funk für einige Minuten.
Wieder Signal. Das Heißeste ist vorbei.
Stabilisierungsschirme, in 5.500 Metern Höhe und bei 560 km/h.
Sie stabilisieren die Kapsel und bremsen sie vor den großen Schirmen.
Die vier Hauptschirme öffnen sich, in 1.800 Metern Höhe.
Erst halb gefüllt, um den Ruck zu dämpfen, dann ganz: je 35 Meter.
Noch drei Minuten an den Schirmen, bis zum Meer.
Der noch heiße Schild berührt das Wasser zuerst.
Wasserung vor Tallahassee, Florida.
Crew-9 ist zurück. Und mit ihr Butch Wilmore und Suni Williams, im Juni für eine Woche gestartet.
171 Tage im All für Hague und Gorbunov, 286 für Wilmore und Williams.
Freedom hat getan, wofür sie halb leer aufbrach: zu zweit hinauf, zu viert zurück.